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„Hand in Hand“ – Spitzenköche interpretieren Flüchtlingsrezepte

Geschrieben von
Bookatable by Michelin
, Am
13/06/2017

50 Sterneköche aus dem deutschsprachigen Raum und gut 20 Flüchtlinge haben gemeinsam an einem tollen Kochbuch gearbeitet, in dem die Rezepte der Geflüchteten neu interpretiert werden. Ihr habt jetzt die Chance, eins von sechs fantastischen „Hand in Hand“-Büchern zu gewinnen – mit Gerichten aus Syrien, Pakistan, Marokko und änderen Ländern. Schaut einfach noch bis zum 15.06. vorbei.

Hier geht's direkt zum Gewinnspiel.

Was das Besondere an dem prall gefüllten Kochbuch ist, wer mitgemacht hat und was dabei bewegend  war, das erfahrt Ihr in diesem Interview mit Timo Wentzel, einem der Initiatoren aus Heidelberg:

Timo, was unterscheidet „Hand in Hand“ von anderen Kochbüchern?

Es ist ein ganz spezielles Kochbuch, denn es greift die Lieblingsgerichte von Geflüchteten auf. Man findet darin aber nicht nur Rezepte, sondern auch die Geschichten der Menschen dahinter. Viele der Beteiligten sind noch relativ jung und erzählen sehr bewegende Geschichten. Und dann ist da natürlich die Symbiose zwischen Geflüchteten und dem jeweiligen Sternekoch, der das Rezept neu interpretiert hat. Das Zusammenwirken macht das Buch zu etwas ganz Besonderem.

Wie ist die Idee zu dem Projekt entstanden?

Ausgangspunkt war das Charity Projekt „Jobs for your Future“ von der Hotelfachschule Heidelberg. Dort unterstützt man junge geflüchtete Menschen, die gerade erst aus der Flüchtlingsregion gekommen sind – ganz alleine, ohne ihre Eltern. Mit diesen jungen Menschen haben wir gemeinsam Service-Schulungen, Küchen-Schulungen und Deutschkurse absolviert, mit dem Ziel sie danach direkt in die Ausbildung zu vermitteln. Dabei haben wir dann ganz viele tolle und spannende Gerichte kennengelernt, die man so gar nicht kannte.

.. und da kam Euch natürlich gleich ein Kochbuch in den Kopf.

Genau. Die Ursprungsidee entstand in einem kleinen Viererteam: Fünf Rezepte, zwei bis drei Seiten, selbst gedruckt sollten es anfangs sein. Am Ende sind daraus 424 Seiten geworden. Damit haben wir selbst nicht gerechnet. Das Ganze ist einfach viel größer geworden als geplant (lacht).

Wie seid Ihr denn in Kontakt gekommen mit den teilnehmenden Flüchtlingsköchen? War es schwierig, sie für die Teilnahme an dem Projekt zu begeistern?

Durch die Gruppe von „Jobs for your Future“ hatten wir schon ziemlich engen Kontakt zu den Geflüchteten. Die Gruppe an sich hat circa 22 Personen. Das Problem war nur, dass alle die Idee sehr gut fanden, aber viele eben noch sehr jung waren. Die Meisten sind zwischen 17 und 22 Jahre alt. Und da waren die Deutschkenntnisse auch noch nicht so vorhanden. Wir kamen dann aber über Kontakte in Verbindung mit anderen Geflüchteten, die schon zwei bis drei Jahre hier leben und auch emotional schon besser verarbeiten konnten, was sie erlebt haben.

Und wo in Deutschland sind diese Geflüchteten heute zu Hause?

90 Prozent der an dem Projekt teilnehmenden Geflüchteten leben hier in Heidelberg und die anderen 10 Prozent in Berlin, da wo auch einer unserer Autoren sitzt. Lutz Jäkel ist Islamwissenschaftler und hat selbst gute Kontakte, mit denen er uns unterstützt hat.  

Anhand welcher Kriterien habt Ihr die finalen Teilnehmer ausgesucht?

Die Vorgabe war eigentlich nur, dass wir uns auf acht Länder konzentrieren. Wir stellen am Anfang ja diese Länder vor und erzählen dann die Geschichte einiger von dort Geflüchteter. Ansonsten haben wir uns über jeden gefreut, der an unserem Projekt teilnehmen wollte. Das Gleiche gilt auch für die Köche. Mir war wichtig, dass wir Köche nehmen, die auch sympathisch wirken. Mein Netzwerk war dahingehend schon ziemlich groß, sodass ich wusste, wen ich fragen kann. Bei den anderen Köchen haben wir uns an interessanten Interviews und am Guide MICHELIN orientiert, der alle Sterne-Restaurants auflistet. Wir haben jedoch auch einige wenige Spitzenköche dabei, die keinen Stern haben, aber eine wahnsinnig tolle Geschichte.

Cristoph Brand mit seiner Agentur „Fliegende Köche“ zum Beispiel.

Ja, Christoph hat zum Beispiel sehr viel für bekannte Musiker wie Xavier Naidoo gekocht oder auch Lars Fulmic, der lange Zeit auf dem Kreuzfahrtschiff „MS Europa“ und der „Hanseatic“ Küchenchef war. Es musste immer eine Geschichte dahinter sein.

Und wie war die Resonanz bei den deutschsprachigen Spitzenköchen, die mitmachen sollten? Waren viele interessiert?

Ja, durchaus. Gerade am Anfang dachten zwar manche der Köche, die wir noch nicht kannten: „Wer kommt denn da, nur eine kleine Projektgruppe der Hotelfachschule Heidelberg?“ Aber als wir denen dann telefonisch das Ganze erklärt haben, waren eigentlich alle sofort mit dabei. Es gab tatsächlich niemanden, der von Anfang abgelehnt hat. Wenn überhaupt, dann lag es am Zeitmangel, dass die Teilnahme nicht zustande kam.

Auf welche Köche, die in Eurem Kochbuch sind, seid Ihr besonders stolz?

Es sind ganz viele spannende Köche aus Deutschland und der Schweiz dabei. Von der etwas älteren Generation ist Alfons Schuhbeck zum Beispiel, der in München unter anderem das Schuhbecks Fine Dining und das Schuhbecks Pasta & Pizza führt. Er selbst macht ja auch Flüchtlingsarbeit und war sehr begeistert von dem Projekt. Oder Martin Scharff vom Restaurant Scharrf's Schlossweinstube in Heidelberg, der hat auch mitgemacht. Von den jungen Köchen haben wir einen dabei, der gerade 2 Sterne bekommen hat: Tohru Nakamura. Und auf Tristan Brandt sind wir auch stolz. Einer der Shootingstars für mich ist außerdem Arne Anker aus dem Pauly Saal in Berlin, das ist ein sehr sympathischer, toller Typ.

Was hat Dir persönlich das Projekt gegeben?

Mich haben einfach die jungen Geflüchteten fasziniert, die sehr sympathisch waren und aus 13 verschiedenen Kulturen kommen. Ich hatte für Charity selbst nie Zeit, aber dann ist mir das Projekt zur Herzensangelegenheit geworden. Ich kann nur sagen, dass einem das soziale Engagement eine Menge zurückgibt. Man wird dadurch ein kleines Stückchen zufriedener. Wir haben mittlerweile schon 18.000 Euro an Spenden gesammelt, seitdem das Buch am 5. Dezember 2016 in den Handel gegangen ist.  

Gab es eine Geschichte oder Situation, die Dich im Projektverlauf sehr bewegt und nachhaltig beeinflusst hat?

Die Geschichten der Geflüchteten sind natürlich generell sehr bewegend. Viele sind auf See mit dem Schlauchboot von der Türkei nach Griechenland gekommen und haben andere Menschen ertrinken sehen. Aber als gemeinsames Erlebnis war gerade die große Kochsession, die wir hier auf dem Heidelberger Schloss bei Martin Scharff gemacht haben, wirklich etwas ganz Besonderes. Kochen und eben auch Essen verbindet. Da kommt es nicht darauf an, wer Du bist und was Du kannst, sondern welche Idee Du mitreinbringst und was Dir schmeckt.

Hast Du ein Lieblingsgericht aus dem Kochbuch?

Ich habe fast 90 Prozent der Gerichte schon mal selbst nachgekocht und finde gerade der Peter Bogdanovic hat ein ganz tolles Dessert gemacht: Safran-Milchreis-Bällchen, frittiert. Das ist geschmacklich wirklich ganz, ganz toll, weil da so ein bisschen diese europäische Note mit drin ist, aber eben auch der persische Einfluss.

Und was kann man tun, um Euch zu fördern?

Das Kochbuch kaufen, verbreiten und diese Art von Interview ist auch schon eine tolle Förderung. Das Kochbuch kann jegliche Art von Bekanntheitssteigerung gebrauchen. Es haben jetzt auch schon viele gefragt, ob sie darüber hinaus spenden können. Aber für das Kochbuch ist das gar nicht mehr nötig, denn das ist schon vom Verlag finanziert. Durch den Kochbuchverkauf geht das Autorenhonorar jetzt zu 100 Prozent weiter an die Stiftung. Also am besten direkt an die Stiftung spenden!

Vielen Dank für das Interview, wir sind gespannt, was Ihr als Nächstes vorhabt!

Wer das Kochbuch "Hand in Hand" direkt kaufen möchte, findet es für 34 Euro beim ars vivendi Verlag.

Text: Bookatable by Michelin

Bilder: Hand in Hand

 

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