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"Showroom": TV-Koch Andreas Schweiger übergibt

Geschrieben von
webmaster
, Am 18/01/2017

Andreas Schweiger ist vielen als TV-Koch bei den Kochprofis bekannt, doch auch sein kleines Restaurant in München war ein voller Erfolg. Jetzt will sich Andreas neuen Projekten widmen und übergibt das Schweiger2 als „Showroom“ an seinen Chefkoch. Was an dem 1-Stern-Restaurant so besonders ist und bleibt, wie es sich vor laufender Kamera kocht und was als nächstes auf der Schweiger-Agenda steht hat uns Andreas persönlich verraten.

Bookatable by Michelin hat ihn in seiner Kochschule in Haidhausen getroffen. Ein Interview von Andreas Ebenbeck.


Andreas Schweiger (links) und Andreas Ebenbeck (rechts)

10 Jahre Schweiger2. Was war im Rückblick für Dich das Besondere an Deinem eigenen Restaurant, das Anfang dieses Jahres als „Showroom“ wiedereröffnet hat?

Ich glaube das Besondere war, dass überhaupt niemand – uns eingeschlossen – damit gerechnet hat, in welche Richtung das Schweiger2 geht, das am Anfang ja auch schon mal Showroom hieß. Der damalige Showroom war eine Bar mit italienischem Essen, wo jeden Freitag und Samstag Parties stattfanden mit Karaoke. Wir hatten einen Pizzaofen und sechs Gasflammen und eine Haushaltsgeschirrspülmaschine.

Meine Frau und ich haben den Laden allein betrieben und am Ende waren wir bis zu 14 Leute in der Schweiger 2 GmbH. Im Jahr 2009 haben mit dem Schweiger 2 einen Stern bekommen. Wir hatten quasi selber nicht geplant, daraus ein Sternerestaurant zu machen, wir wollten eigentlich nur geile Salate, Suppen und leckere Flammkuchen machen. Ich komme ja aus dem Elsass.
 

Und dann kam alles ganz anders?

Ich bin eben ein leidenschaftlicher Koch, der aus der gehobenen Gastronomie kommt und die Leute haben unsere Arbeit honoriert, indem sie den Flammkuchen als Aperitif gewählt haben und dann das Menü. So hat sich ganz schnell das 9-Gänge-Überraschungs-Menü entwickelt, für das das Schweiger2 bekannt war.

Meine Frau hat immer gesagt, dass wir mit 22 Plätzen das kleinste Sternerestaurant Münchens sind. Und trotzdem darf man nicht vergessen, dass wir hier manchmal 300 Teller rausjagen. Ich weiß gar nicht wieviel Quadratmeter wir hier haben – es sind zu wenige, um sie zu zählen.

Jetzt übergibst Du Dein Baby unter neuem Namen an Deinen Chefkoch. Wie kommt’s?

Dafür gibt es viele Gründe. Der Wichtigste: Ich kann leider nicht mehr als 20 Stunden am Tag arbeiten. Wir geben aber das Restaurant nicht auf, weil es nicht mehr läuft. Im Gegenteil. Es gibt eine Neuorientierung von uns beiden, dadurch ist etwas Neues, Großes entstanden. Lasst Euch überraschen!

Was ändert sich denn für Gäste im neuen Restaurant „Showroom“, das seit Januar geöffnet hat?

Es wird sich nicht viel ändern, denke ich, Dominik Käppeler kennt uns ja schon länger und hat bereits im Schweiger2 gekocht. Ob später dann etwas Grundsätzlich geändert wird, liegt natürlich bei ihm.

Dich kennen ja viele auch von den Kochprofis auf RTL II. Wie bist du zu der Sendung gekommen?

Eigentlich ist das ein Zufall. Holger Stromberg hat mal einen Auftritt in einer Galileo-Sendung an mich weitergegeben, weil er selbst keine Zeit hatte. Ich habe das dann so gut gemacht, dass die immer wieder angefragt haben. So hatte ich den Fuß schon mal bei den Produktionsfirmen in der Tür und es kam eins zum anderen. Die Produktionsfirma, die die Kochprofis produziert, produziert nämlich auch Abenteuer Leben, Abenteuer Forschung, Galileo et cetera.
 

Was sind die größten Herausforderungen beim Kochen im Fernsehen?

Also ich sehe die wahre Kochleistung nicht vor der Kamera, denn die bringt man im Restaurant, beim Catering oder in der Kochschule. Deshalb kann ich auch nicht verstehen, warum jemand abhebt, nur weil er im Fernsehen kocht. Die Herausforderung ist eigentlich, das alles von der Energie her zu schaffen. Viele Fernsehköche haben ja schon mal flachgelegen und hatten beispielsweise ein Burnout.

Ich kann bestätigen, dass es auf Dauer ganz schön viel werden kann: Da das eigene Restaurant, die Kochschule und Kochbücher, hier ein Catering, dort auf einer Messe und dabei immer noch freundlich sein, gut aussehen und lächeln. Man ist abends um 1 Uhr noch auf irgendeinem Event, aber der Wecker klingelt trotzdem um 6 Uhr schon wieder.

Ist Dir denn schon mal eine richtig schöne Panne vor laufender Kamera passiert?

Ja, klar, Pannen passieren häufig. Man muss ja gleichzeitig bedenken, dass man sich vor laufender Kamera nicht in den Finger schneiden sollte, einen Satz grammatikalisch einigermaßen korrekt rüberbringen muss und dann hat man in so einem Format wie bei den Kochprofis auch noch die Verantwortung, den Leuten wirklich helfen zu wollen.
 

Gibt es Klischees über Fernsehköche und ist da was dran?

Ich bin mir nicht sicher, ob das nur etwas mit Neid zu tun hat, aber ich kann mir gut vorstellen, dass viele Leute denken: „Ach der Idiot ist jetzt im Fernsehen…! Die Fernsehköche können gar nicht kochen und müssen eh nur gut aussehen“. Ich selbst bin ein relativ neidloser Mensch und finde es toll, dass zum Beispiel ein Alfons Schuhbeck den Erfolg hat, den er hat. Sicherlich auch, weil er etwas dafür macht. Auch ich habe mich dafür entschieden, dass ich mich nicht mehr nur auf eine Sache in der Gastronomie konzentrieren möchte.

Was Deine Fans bestimmt wissen wollen: Wenn du selber essen gehst, wo gehst du dann in München am liebsten hin?

Inspirationen hole ich mir von überall. Das kann zum Beispiel eine gute Pizzeria sein und mal gehe ich auch ins 3-Sterne-Restaurant. Tatsächlich aber habe ich sehr wenig Zeit und bin deshalb auch sehr selten in München essen. Ich war jetzt ein paar Mal beim Jan Hartwig im Atelier – gigantisch gute Küche. Der hat die 2 Sterne einfach nur verdient. Demnächst möchte ich außerdem unbedingt mal in die BMW Welt zum Bobbie Bräuer, der ein ganz sympathischer Mensch ist. Und zu Christian Bau, weil ich den asiatischen Einschlag mag.
 

Wo gehen denn aktuell die Essen-Trends hin?

Ich glaube und hoffe zugleich, dass die Regionalität immer wichtiger wird. Ich hoffe auch, dass unser Nachbar Österreich hier mehr Bedeutung bekommt. Dass sich Gastronomen zusammenschließen und die Bauern unterstützen. Ich hoffe, dass die regionale Küche noch ein wenig größer wird und die Leute sie auch ein bisschen mehr verstehen, sodass sie mehr ausgeben, wenn es ums Essen geht.

Und was ist bei Dir persönlich gerade angesagt: Was sind Deine nächsten Projekte?

Mein neues Kochbuch „Regional mit Leidenschaft“ wurde gerade veröffentlicht, das nächste ist bereits unterwegs beziehungsweise in Planung. Das ist total cool. Außerdem wird man mich auch in Zukunft bei den Kochprofis sehen. Auch für meine Kochschule habe ich jetzt natürlich etwas mehr Zeit. Da bin ich total gerne, weil ich dort einen anderen Kontakt zu den Gästen habe. Meine aktuellen Projekte treibe ich auch  immer noch „Hoch 2“ voran – also gemeinsam mit meiner Frau Franzi.
 

Vielen Dank für das Interview!

 

Fotos: 1. Bookatable by Michelin, alle anderen Showroom Restaurant

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