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Traditionelle Wirtshäuser in Wien

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17/01/2017

Ja es gibt sie noch: Die guten alten Wirtshäuser mit der typischen österreichischen (eher schweren) Küche, serviert von leicht mürrischen Kellnern. Auch in der Wiener Innenstadt sind sie längst nicht ausgestorben. Zugegeben ein ortsUNkundiger Besucher muss schon etwas suchen, um ein typischen Wiener „Beisl“ zu finden.

Und wer jetzt sagt: „Aber ich war auch schon Schnitzel essen beim Figlmüller..“, kann sich mit Stolz rühmen, das größte (und eines der besten) Schnitzel in Wien auf dem Teller gehabt, aber bestimmt nicht damit, in einem Wiener Geheimtipp gegessen zu haben.

Wer die Gastro-Szene in der Innenstadt ein wenig länger beobachtet, merkt schnell, dass viele Lokale aufwendig und mit viel Tam-Tam aufsperren um dann nach kurzer Zeit wieder heimlich, still und leise die Pforten schließen. Was machen die Traditionswirte anders? Teilweise gibt es Lokale, die sich seit Hunderten gehalten haben und trotzdem so beliebt sind, dass man in der Mittagszeit nur schwer einen Platz bekommt.

Zum einen liegt es natürlich auch am Ur-Wiener. Diese Spezies steht allem Neuen generell mit „leichter“ Skepsis gegenüber. Und warum auch etwas Neues ausprobieren? Im Gasthaus zu den drei Hacken, in der Singerstraße, aßen schon Nestroy, Schubert und Freud. Das kann doch nur gut sein!

Zum anderen ist es eine Preis-Leistungs-Frage. Während man in neuen Schicki-Micki-Lokalen ein kleines Vermögen für ein Mittagsmenü ausgibt, wo sich das Essen auf dem Teller aufgrund seiner Winzigkeit verliert, stellt sich im Augustinerkeller, einer der letzten Klosterkeller in der Wiener Altstadt, eher die Frage: „Wo ist der Teller?“. In der Augustinerstraße 1 bekommt man noch „anständige“ Portionen. Damen auf Diät sind hier fehl am Platz und auch eigentlich selten anzutreffen. Obwohl der Name Augustinerkeller auf einen eher dunklen, kleinen Raum schließen lässt, ist das Lokal ebenerdig. Das ist schnell erklärt: das Straßenniveau hat sich in den letzten hunderten Jahren so massiv geändert, dass der Keller heute unser Straßenniveau hat.

Und zu guter Letzt noch ein Grund, warum sich Wiener Traditionslokale im Gegensatz zu vielen neuen Konzepten besser in der Innenstadt halten: Regionale Küche! Klingt sehr banal, aber gerade der Trend: “Zurück zum Ursprung“ boomt wie nie zuvor. Das Bastei Beisl z. B. hat sich eben dies auf die Fahnen geschrieben. Fleisch vom Bauern aus Oberösterreich, das glückliche Henderl aus Freilandhaltung von der Mizi Tante und der Saibling aus dem österreichischen See ist hier täglicher Standard. Neben der regionalen Küche ist das Bastei Beisl ein Kleinod der Wiener Gastlichkeit. Herrlicher Schanigarten im Sommer und gemütliches Ambiente im Winter. Zu finden in der Stubenbastei 10.

Wer jetzt noch immer nicht genug hat, geht auf eine Marillenmarmelade Palatschinke noch tiefer in die Innenstadt, in den romantischen Haarhof. Dort befindet sich der Eingang zum sagenumwobenen Esterházykeller. Nach echter Wiener Manier bestellt der Gast direkt am saisonbedingten Buffet. Dieses Konzept bewährt sich schon seit 1683. Der Stadtheuriger ist kein bisschen angestaubt und hat bestimmt nicht vor, zu schließen.

Ich bin überzeugt: auch wenn ich mit neunzig Jahren durch die Wiener Innenstadt schlendere, wird es die Wiener Traditionsbetriebe immer noch geben. Qualität hat schließlich immer Saison!

In diesem Artikel:

-    Figlmüller – Bäckerstraße 6
-    Esterházykeller – Haarhof 1
-    Augustinerkeller – Augunstinerstr. 1
-    Bastei Beisl - Stubenbastei 10
-    Zu den drei Hacken – Singerstraße 28

Alle in der Wiener Innenstadt zu finden und sehr zu empfehlen!

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Fotos in diesem Artikel (c) von Sophie C.  Burian und Figlmüller.

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