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Cronuts, Cragels und Brookies: Hybrid-Food ist ein Dauerbrenner

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, Am 17/01/2017

Als Dominique Ansel an einem frischen Frühlingsmorgen im Mai 2013, für die meisten New Yorker ein Tag wie jeder andere, die Türen seiner Bäckerei in New York aufschloss, ahnte noch niemand, dass seine neueste Backkreation, der Cronut, die kulinarische Szene für immer verändern würde. Nicht nur die kulinarische Szene New Yorks – sondern die der ganzen Welt. ‚Hybrid Foods‘, sogenannte Zwitter-Snacks, sind mittlerweile von Korea bis Peru der letzte Schrei, und während viele Gastronomiekritiker diese neue Erscheinung im letzten Jahr noch müde belächelten und als Trend abtaten, der spätestens nach den Sommermonaten vergessen sein würde, ist spätestens seit letztem Monat klar, dass die Hybrid-Foods so schnell nicht von der Bildfläche verschwinden werden.

Der Auslöser des Hypes, der Cronut, feierte am 9. Mai seinen ersten Geburtstag, und selbst zwölf Monate nachdem der allererste Cronut verkauft wurde, stehen Menschen aus aller Welt Schlange, um sich selbst davon zu überzeugen, dass der Cronut wirklich so genussvoll ist wie von den Medien überall verbreitet wird.

Inzwischen experimentiert jede Bäckerei von San Francisco bis Miami, die etwas auf sich hält und als kreativ gilt, mit der Mischung zweier Gerichte. Manchmal sind es undenkbare Kombinationen, die dennoch von den Kunden angenommen werden, teilweise sind es Mixe, bei denen man sich fragt, warum niemand eher darauf gekommen ist, und ab und zu sind es verrückte Erfindungen, die zwar anfangs auf Aufmerksamkeit stoßen, aber schnell wieder unter dem Ladentisch verschwinden, weil nach der anfänglichen Neugier doch niemand auf Dauer das exotische Hybrid Food essen möchte. Jeder möchte der nächste Dominique Ansel sein, der nächste Trendsetter, dem der große Durchbruch gelingt.

Ein Anwärter hierfür ist Scott Rossillo, selbsternannter ‚Bagel Artist‘, der in der Brooklyner Nachbarschaft Williamsburg den Bagel Store betreibt. Hier wurde nach Monaten des Herumprobierens im Herbst letzten Jahres der Cragel präsentiert: eine Mischung aus zwei der beliebtesten Frühstückssnacks Bagel und Croissant. Der Cragel war erst der Anfang für Rossillo – inzwischen experimentiert er mit allen nur denkbaren Bagel-Mixen herum, zum Beispiel Waffel-Bageln, Pancake-Bageln, Taco-Bageln oder Pizza Bageln (Bagizza). Bei ihm gilt: seine Kundschaft testet seine Kreationen und entscheidet, welche Hybrid Foods zum Verkaufsschlager werden. Alles, was sich nicht verkauft wie warme Semmeln (oder Cragel), verschwindet nach ein paar Monaten wieder.

Cragel

Der Cragel ist heute gar nicht mehr aus dem Angebot des Bagel Stores wegzudenken und mittlerweile in mehreren Ausführungen erhältlich, wie dem Cinna-Cragel (eine Mischung aus Zimtbrötchen und Bagel) oder dem Chocolate Cragel, der Croissant-Bagel Kombo plus dunkler Schokolade.

Neben den kreativen Köchen und Bäckern gibt es natürlich etliche Nachahmer. Den Cronut kann man nun in vielen Bäckereien rund um den Globus finden, obwohl Dominique Ansel den Namen hat schützen lassen. Deshalb findet man in Korea ‚New York Style Pie Donuts‘ oder in Peru ‚Croughnuts‘, und in England ‚Doissants‘. Die amerikanische Cupcake-Kette Crumbs verkauft ‚Crumbnuts‘, in Deutschland vertreibt die Backwerk-Kette die Cronuts als Teil des ‚Manhattan-Menus‘ (inklusive einer Tasse Kaffee). Was alle diese Trittbrettfahrer gemeinsam haben? Sie kommen an das Original einfach nicht heran.

Cronut-Nachahmungen

Was Konditoren und Bäcker wie Ansel und Rossillo auszeichnet, ist nicht nur ihre Kreativität, sondern ihr Streben nach der hochwertigsten Qualität. Wartet man zwei Stunden auf einen Cronut und investiert $5 in das Gebäck, das innerhalb von Minuten verdrückt ist, kann man davon ausgehen, dass sich das Warten und die Investition lohnt. Mit monatlich wechselnden Cronut-Kreationen, die von einer Füllung aus Blaubeersauce und griechischem Joghurt bis hin zu Mascarpone mit einer Erdbeer-Balsamico-Creme und Basilikumzucker präsentiert sich der schon bewährte Cronut somit alle vier Wochen in einem neuen Gewand– weshalb die langen Schlangen vor der Bäckerei auch nach 13 Monaten immer noch zum allmorgendlichen Bild in Soho gehören, und Journalisten und TV-Teams aus aller Welt auch jetzt noch ständig über das Hybrid Food berichten und Loblieder darauf singen. Nicht umsonst wurde Ansels Cronut vom TIME Magazin auf die Liste der besten Erfindungen 2013 gesetzt.

Für die vielen Gastronomen, die ihr Glück an der Kombinierung zweier Gerichte versuchen, gibt es mehr und mehr Erfolgsstories – so hat zum Beispiel Keizo Shimamato, der Besitzer von GoRamen.com, den Ramen Burger entwickelt, der auf New Yorks Food-Märkten der letzte Schrei ist. Anstatt von zwei Brötchenhälften wird der Burger von zwei Bratlingen aus Ramennudeln gehalten, und Shimamato hat damit genau den (Geschmacks-)Nerv der hippen Brooklynites getroffen, die die Existenz des neuen It-Burgers in Windeseile über Instagram, Facebook und Twitter verbreiteten. Somit können nun auch die kulinarisch Neugierigen in anderen Teilen der USA Nachahmungen – wie zum Beispiel den Umami Burger – des original Ramen-Burgers bekommen. Herzhafte Hybrid Foods sind bisher noch nicht so allgegenwärtig wie die vielen süßen Versuchungen, aber Gastronomiekritiker gehen davon aus, dass sich das bald ändern wird.

Andere heiße Hybrid-Trends sind der Brookie: eine Mischung aus Brownie und Cookie, die sich in Brooklyns Baked Bäckerei schneller verkauft, als die Bäcker nachbacken können, oder Bruffins: eine Kombination aus Brioches und Muffins, die mit verschiedenen Füllungen angeboten werden. Eine besondere Version des in den USA beliebten Eissandwiches – Eiskrem in der Mitte, und jeweils ein Cookie auf jeder Seite - hat sich die Holey Cream Eisdiele in Manhattan ausgedacht: statt in zwei Cookies wird das Eis hier in einem Donut serviert – ein Hit in den hochsommerlichen Junitemperaturen! Ein veganer Food Truck, der Green Radish in New York, hat den Donut mit einem Törtchen (Tart) kombiniert und vermarktet diese erfolgreich als Donarts.

Für Foodies, die diesen Sommer eine Reise in die USA planen, gilt: unbedingt die lokalen Food-Märkte besuchen, wenn man das neueste Hybrid-Food probieren möchte, ehe es weltweit Schlagzeilen macht.

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