1. Startseite
  2. Magazine
  3. Trends & Events
  4. Essen gehen mit Kindern

Essen gehen mit Kindern

Geschrieben von
contributor
, Am
17/01/2017

Liebe Eltern! Ich weiß, ihr habt euch das ganz anders vorgestellt mit euren Kindern. Ihr hattet euch auf ein engelsgleiches Wesen gefreut, dass mütterliche und väterliche Instinkte in euch weckt, euren Alltag mit engelsgleichem Lächeln und possierlicher Niedlichkeit bereichert, und eurem Leben einen neuen Sinn gibt. Die Wirklichkeit sieht – wie immer - anders aus. Der neue Sinn eures Lebens besteht darin, tagsüber irgendwie wach zu bleiben, weil ihr euch die Nächte mit einem sinnlos in der Gegend herumkreischenden Mini-Tyrannen herumschlagt, seine Exkremente entsorgt und dankbar für jede Sekunde Ruhe seid, die das halslose Ungeheuer euch lässt.

Da ist es doch eine ganz wunderbare Idee, endlich mal den Herd auszulassen und ein Restaurant aufzusuchen, um sich ein paar Minuten lang eine Auszeit von dem kleinen Terroristen zu nehmen. Und weil er gerade so schön schläft, könnt ihr euch das Geld für den Sitter sparen oder die Mühe, die Schwiegermama anzurufen, ob sie nicht mal für ein paar Minuten... So lange der Kleine friedlich schläft, nehmt ihr ihn einfach mit.

Nicht. Bitte nicht. Auch andere Menschen, die gestresst sind, die sich nach ein paar Minuten Entspannung auf einer Insel der Erholung sehnen, kommen auf die Idee, ein Restaurant aufzusuchen. Dafür sind – gute - Restaurants nämlich da, hier soll nicht nur der Körper, sondern auch die Seele Sättigung erfahren. Und die Seele der anderen Restaurantbesucher wird rasant schnell übersättigt, wenn euer kleiner Sonnenschein aufwacht und mit seinem Gebrüll anfängt. Und wenn euer kleiner Augapfel gar nicht aufhören will zu schreien, ihr in aus dem Tragekörbchen hebt, an seinem Hosenboden riecht, angewidert das Gesicht verzieht und den Kellner lautstark fragt, ob es hier einen »Wickelraum« gibt, fällt auch dem geduldigen Herrn am Nebentisch (mir) der Löffel aus der Hand, weil ihm die Mousse au Chocolat nicht mehr recht munden will.

Bitte, liebe Eltern, hört auf, mich mit eurem Privatleben – und dem eurer wehrlosen Kinder - zu belästigen. Davon will ich nichts wissen und davon muss ich nichts wissen. Natürlich dürft ihr auswärts Essen gehen, so oft ihr wollt. Bloß lasst dann euer Kind zuhause oder – wenn das nicht geht – sucht ein ausdrücklich als »kinderfreundlich« ausgewiesenes Lokal aus, wo man mit Spielecke, bereitgehaltenen Malbüchern und dem oben bereits erwähntem »Wickelraum« dem Ruhe suchenden Gast signalisiert, dass er hier statt Ruhe eure Kinder finden wird.
 

Und selbst wenn ihr denkt, dass eure Kinder »aus dem Gröbsten raus« sind, bleibt bitte mit ihnen in den Spielzimmern, in denen es auch was zu Essen gibt, bis sie selbst der Ansicht sind, dieser Gastronomie entwachsen zu sein. Der erste Besuch eines Restaurants sollte auch für einen jungen Menschen ein Erlebnis sein, und dieser junge Mensch sollte sich bewusst darüber sein, was auf ihn zukommt. Und er sollte selbst ein gutes Restaurant aufsuchen WOLLEN.
Ein Kind, dass keine 5 Minuten still sitzen bleiben will, liebend gerne rumtobt und mit allem um sich wirft, was nicht niet- und nagelfest ist, will einen Abenteuerspielplatz besuchen und kein  Restaurant. Erst wenn ein Kind (glaubhaft! Nicht, weil die Eltern das hören wollen!) versichert, dass es die Welt eines guten Restaurants entdecken will, ist es soweit. Wenn es VON SICH AUS bereit ist, eine Zeit lang still zu sitzen, manierlich zu essen und sich so zu verhalten, dass es keine unerwünschte Aufmerksamkeit erregt.

Und nein, liebe Eltern, es sind nicht die anderen Gäste, die Rücksicht auf euer Kind nehmen müssen, es ist haargenau umgekehrt. Nehmen wir an, dass sich außer eurer Familie ein junger Mann und eine junge Frau im Restaurant befinden. Der junge Mann hat sie eingeladen, hat auf diesen Abend gespart oder sich das Geld für das Restaurant geborgt, denn er möchte dem Mädchen in diesem festlichen Rahmen einen Heiratsantrag machen. Nach der Vorspeise ist der Moment gekommen, er nimmt sein Herz in beide Hände, stellt der Frau, die er liebt, die bewusste Fragen, wartet auf ihre Antwort... und hört stattdessen die krähende Stimme eures Sprösslings, der mit Wachsmalstiften den lieben Spiderman gemalt hat und wissen möchte, wie den Herrschaften am Nachbartisch sein Kunstwerk gefällt.

Was ist, wenn die junge Dame nun den Antrag ablehnt? Aus Angst, dass aus ihrer Beziehung auch so ein rücksichtsloser Rotzlöffel entsteht, der anderen Menschen einen der wichtigsten Momente in ihrem Leben versaut, während seine Eltern ihm auch noch applaudieren? Wollt ihr wirklich dafür verantwortlich sein, liebe Eltern?
Lasst euch und euren Kindern Zeit mit der Gastronomie. Danke für euer Verständnis.

 

 

Diese Beiträge könnten Dich auch interessieren:

Ich will Pommes, Mami!

Essen gehen mit Baby

Email